Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Jugendhilfe privat

Kinder, die mit der Jugendhilfe zu tun haben, werden oft in unterschiedlichen Einrichtungen untergebracht. Gründe dafür können sog. "hochstrittige" Scheidungen sein, oder Gewalt, Missbrauch und/oder Vernachlässigung in ihren Familien.

Viele dieser Einrichtungen sind sehr gut qualifiziert und gehen tatsächlich auf die Kinder zu. Daneben gibt es leider auch viele Einrichtungen, deren Interesse an Kindern ernsthaft hinterfragt werden muss.

Es fehlen verbindliche Vorgaben, wie Einrichtungen strukturiert sein müssen, d. h. welche Qualitätsstandards einzuhalten sind.Vor allem gibt es keine Regeln, was bei einem Verdacht auf Gewalt, Missbrauch usw. getan werden muss. Häufig sind Einrichtungen gewinnorientiert. Das heißt, das der Gewinn für die Einrichtung wichter ist als das Kindeswohl. (1)

Hier ist in den letzten Jahren ein Markt entstanden, auf dem Privatunternehmen viel verdienen können und kaum fürchten müssen, ernsthaft kontrolliert zu werden.

Die Kinder haben keine Möglichkeit aus diesen Einrichtungen herauszukommen falls sie dort nicht gut behandelt werden. Sie sind darauf angewiesen, dass das Jugendamt seiner Aufsichtspflicht nachkommt und die Einrichtungen kontrolliert.

Genau das passiert in aller Regel aber nicht!

MitarbeiterInnen in Jugendämtern beklagen oft, dass sie personell stark unterbesetzt sind. Deshalb ist es ihnen nicht möglich, sich individuell um die Kinder und deren Familien zu kümmern. Währenddessen schreitet der Trend zur Privatisierung auch in der Jugendhilfe ungehindert voran.

Das heißt, die Erziehung und der Schutz von Kindern wird von der Gesellschaft ausgelagert!

Was mit Kindern in diesen Einrichtungen passiert, entzieht sich der Öffentlichkeit. Werden sie unterstützt und gefördert oder erneut mit Gewalt konfrontiert?

Niemand kennt die Antwort. Sobald die Volljährigkeit erreicht ist, werden die nunmehr jungen Erwachsenen aus dem System der Jugendhilfe entlassen. Dabei wird nicht gefragt, ob sie genug Hilfe erhalten haben um ein selbstständiges Leben führen zu können.(2)

Selbst wenn Kindern in diesen Einrichtungen Gewalt angetan wird, ist noch lange nicht sichergestellt, dass sie aus den Einrichtungen raus geholt werden. Auch Angehörige werden teilweise daran gehindert, die Kinder zu schützen.(3)

Der Kontrast ist kaum zu erklären: Während staatlichen und autonomen Einrichtungen wie z. B Frauenhäusern(4), Frauennotrufen, Jugendämtern, Polizei, Gerichten, parteilichen Beratungsstellen für Gewaltbetroffene und rechtsmedizinischen Instituten(5) seit Jahren systematisch Gelder gekürzt werden, fließen Milliardenbeträge in den privaten Sektor der Jugendhilfe, ohne einen Nachweis darüber, dass die untergebrachten Kinder davon profitieren.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht wirklichr verwundern, dass viele Jugendliche die kriminell sind, genau aus solchen Einrichtungen kommen..(6) Sie haben häufig den maximalen Verrat erlebt, den diese Gesellschaft zu bieten hat.

Waren sie von Gewalt in ihrer Familie betroffen, so wird diese Gewalt in den Einrichtungen häufig nicht etwa unterbrochen sondern fortgesetzt. Nicht selten werden sie über das Umgangsrecht dazu gezwungen, auch aus den Einrichtungen heraus Kontakt zu ihren Peinigern zu halten.

Allein die Tabuisierung von Gewalt in der Jugendhilfe macht es vielen Kindern faktisch unmöglich, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, um sich eine selbstbestimmte und gewaltfreie Zukunft aufzubauen.

Die Auslagerung der Jugendhilfe steht offenbar für die gesellschaftliche Verdrängung. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Gemeinschaft, Kindern und Jugendlichen , die im Leben einen schweren Stand haben zu helfen. Stattdessen werden diese Kinder und Jugendlichen mit ihren Problemen aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verdrängt.

Sie werden von der Öffentlichkeit nur selten wahrgenommen und spielen in politischen Entscheidungen kaum eine Rolle.

Schließlich haben sie auch keine Lobby

Quellen:

1."Mit Kindern Kasse machen", eine Doku über die zunehmende Privatisierung der Jugendhilfe-ARD vom 23.02.2015