Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Gutachterwesen: Die Bedeutung der Kinder im Familienrecht

Die Bedeutung von Gutachten hat in den letzten Jahren im Bereich der Justiz stark zugenommen:

Im Strafrecht zur Beurteilung der Schuldfähigkeit von Angeklagten bzw. der Glaubwürdigkeit von mutmaßlichen Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfern, sowie im Zivilrecht um Entschädigungsansprüche zu überprüfen oder Personen auf ihre Mündigkeit zu testen. Auch in anderen Bereichen wie z.B. der kriminologischen Auswertung von Tatortspuren oder bei der Erstellung von Täterprofilen sind Gutachten aus der heutigen Praxis kaum mehr weg zu denken.

Im Familienrecht spielen GutachterInnen bei der Entscheidung, wer das Sorgerecht bekommt, wer die Kinder besuchen darf und wo die Kinder leben, ebenfalls eine immer größere Rolle. Ihre Empfehlungen an das Gericht sind meistens ausschlaggebend für den Ausgang eines Verfahrens. Will heißen: Sie beeinflussen das Leben dieser Kinder ganz maßgeblich!

Während GutachterInnen offiziel lediglich einen Beitrag zur Entscheidung des Gerichts leisten, neben den Stellungnahmen von Jugendämtern, Verfahrenspflegern, Anwälten und evtl. noch externen PsychologInnen und PsychiarterInnen, so werden sie mittlerweile als "heimliche Richter" bezeichnet, da sich Gerichte, Jugendämter, Verfahrenspfleger usw. fast immer nach den Einschätzungen von den jeweils erstellten Gutachten richten. (1)

Was für manche RichterInnen und andere eine willkommene Abgabe von Verantwortung und Arbeit ist, bedeutet für viele Kinder, dass ihre Zukunft in aller Regel von einer Person abhängt, der das Schicksal der Kinder oft gleichgültig ist. (2)

Schenkt man den Äußerungen von Politikern und anderen Vertretern Glauben, so dienen die Verfahren primär dem Kindeswohl. Denn schließlich ist es ja die Aufgabe von Verfahrensbeteiligten (mit Ausnahme der Eltern und deren Anwälten) ganz objektiv zu prüfen was für die Kinder am besten ist.

Man muss an diesen Behauptungen jedoch Zweifel hegen, wenn man sieht, welche Voraussetzungen GutachterInnen erfüllen müssen um vom Gericht zugelassen zu werden: keine!

Was in anderen Bereichen unseres Rechtssystems, wie z.B. der Schadensregulierung bei Versicherungsansprüchen, undenkbar wäre, ist offensichtlich kein Problem, wenn es um die Zukunft von Kindern geht.

Ob der Gutachter einen Psychologentitel hat, einen kleinen Heilpraktier oder auch gar nichts, das zuständige Gericht kann beauftragen wen immer es will. Durch dieses völlige Fehlen von verbindlichen Vorgaben könnte der Verdacht von Kungelei zwischen Gerichten und GutachterInnen entstehen.

Außerdem verursacht die Erstellung von mehreren, sich zum Teil widersprechenden, Gutachten enorme Kosten. Dieses Geld kommt den Kindern jedoch überhaupt nicht zugute!

Eine unsachgemäße Begutachtung zieht für die Zukunft vieler Kinder schlimmste Konsequenzen nach sich.(3)

Sie müssen möglicherweise bei Personen aufwachsen, seien es nun Vater, Mutter, Pflegeeltern oder Heimbetreuer, zu denen sie keine gute Beziehung haben. Nicht selten werden sie zusätzlich von den Personen, zu denen sie vorher eine gute Beziehung hatten, isoliert.

Für die Erstellung eines Gutachtens gibt es keine verbindlichen Standards. Deshalb ist es häufig eine Mischung aus Zufall, der Vorgabe von Richtern, der Kompetenz der GutachterInnen und dem Auftreten der Eltern bei den einzelnen Terminen, zu welchen Ergebnissen diese Gutachten kommen. Oft sind diese Ergebnisse nicht eindeutig, sondern können von den einzelnen Beteiligten so interpretiert werden, wie es den jeweiligen Interessen entspricht.

Da Kinder und meistens auch Jugendliche nicht darüber informiert werden, was im Verfahren passiert, können sie sich nicht wehren.

Die Entscheidungen greifen dann ohne jede Vorwarnung massiv in ihr Leben ein. Das bedeutet nicht selten, dass sie aus ihrem gewohnten Umfeld regelrecht herausgerissen werden. Die Folgen eines solchen Eingriffes lassen sich ohne weiteres mit denen einer Entführung vergleichen. (4)

Besonders gravierend wird dieses völlige Fehlen von verbindlichen Vorgaben wenn es um Gewalt gegen die Kinder oder deren Bezugspersonen geht. So kommt es sehr oft vor, dass die Symptome einer Traumatisierung völlig falsch eingeschätzt werden.

Oft wird beispielsweise einer Mutter, die durch jahrelange Gewalt vom Vater ihres Kindes traumatisiert ist, die Erziehungsfähigkeit abgesprochen, da sie auf Grund ihrer eigenen Belastungen nicht in der Lage sei, sich angemessen um die Versorgung ihres Kindes zu kümmern.

Doch auch wenn es um Gewalt gegen die Kinder selbst geht, sei es nun körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt, heißt das noch lange nicht, dass die Folgesymptome richtig gedeutet geschweige denn ernst genommen würden.

Erkenntnisse aus der Hirnforschung oder der Psychotraumatologie werden in solchen Gutachten in der Regel nicht mit einbezogen.

Hier offenbart sich die ganze Absurdität, die dieses System mittlerweile erreicht hat.

Viele Kinder sind über einen langen Zeitraum sexualisierter, körperlicher und/oder psychischer Gewalt ausgeliefert, oft mit tödlichen Folgen. Angeblich war nicht genug Geld da um diese Kinder wirksam zu schützen. (5)

Trotzdem sind genügend Mittel vorhanden um Kinder, die den Kontakt zu beiden Eltern oder einem Elternteil ablehnen, über Jahre, wenn nicht gar über Jahrzehnte zu psychologisieren und bearbeiten.

Angeblich könnten sie durch ihre Ablehnung eines Elternteils oder beider Eltern möglicherweise irgendwann später in der Partnerschaft oder ihrer sexuellen Identität oder wo auch immer Probleme bekommen. (Ist man sonst vor allen Problemen gefeilt?)

Man kann also sagen, dass Kinder aktuell vor große Probleme gestellt werden, um sie vor möglichen Problemen in der Zukunft zu bewahren.

Kinder, die bereits massive Probleme haben, werden von der Gesellschaft ignoriert. Schnelle Hilfe wäre hier dringend erforderlich!

Es ist ein Skandal, dass es keinerlei Kontrollen, verpflichtende Qualifizierungen und Vorgaben für Gutachten und Gutachter gibt!

Gerade Kinder und Jugendliche, die besonders schutzbedürftig sind, werden hier Mechanismen ausgeliefert, die selbst für Erwachsene nur sehr schwer auszuhalten wären.

Gemessen an den Vorraussetzungen und Standards, die GutacherInnen erfüllen müssen, bleibt nur der Schluss übrig, dass die Zukunft und das Wohl der Kinder dieser Gesellschaft gleichgültig ist. (6)


Quellen: